Stadtwerke Dinslaken sehen Trinkwasserqualität durch Amprion-Pläne gefährdet

Amprion plant Trasse durch Wasserschutzzone

Die Stadtwerke Dinslaken GmbH und ihre Tochtergesellschaft, die Wasserwerke Dinslaken GmbH, bewerten die Pläne der Amprion GmbH, eine 380-kV-Erdkabelverbindung durch die Momm-Niederung in Voerde zu verlegen, als kritisch für den Schutz der Trinkwasserversorgung der rd. 68.000 Menschen in Dinslaken. Die von Amprion bevorzugte Trassenführung, die sich aktuell noch im Planfeststellungsverfahren befindet, quert die Frankfurter Straße südlich von Stockum und verläuft dann innerhalb der Wasserschutzzonen IIIA und IIIB zum östlichen Ortsrand von Mehrum zum Rhein. Dabei beträgt der nächste Abstand zur Wasserschutzzone II nordöstlich von Wurm-Götterswick lediglich ca. 300 m.

Der Neubau und der Betrieb der Erdkabeltrasse bergen nach Einschätzung der Stadtwerke Dinslaken ein erhebliches Gefährdungspotenzial für die Qualität des Grundwassers in der Wasserschutzzone und somit auch für das Trinkwasser.

Landschaft mit Bäumen und Blühwiese

Auenlehmdeckschichten sind „Schutzschild“ für das Grundwasser

Die Momm-Niederung ist ein sensibles Gebiet, das bereits jetzt schon besonderer Schutzmaßnahmen bedarf. Der Bergbau führte zu Bodensenkungen, Starkregenereignisse aufgrund des Klimawandels brachten 2023/24 Überschwemmungen mit sich. Das Gebiet wird über 35 Polder- und Objektschutzbrunnen, Polderleitungen und Pumpwerke des Lippeverbands entwässert, um eine landwirtschaftliche Nutzbarkeit des Gebiets zu ermöglichen, den erhöhten Zustrom von Rheinhochwasser zu reduzieren und im Hochwasserfall die aufbruchsgefährdeten Auenlehmdeckschichten zu stabilisieren. Diese erfüllen eine wichtige Funktion als „Schutzschild“ für das Grundwasser im direkten Zustrom zu den Trinkwasserbrunnen der Wasserwerke.

Bei der Verlegung von Erdkabeln wird eben jene Auenlehmdeckschicht breiträumig aufgebrochen. Zudem besteht durch den Einsatz von schweren Baumaschinen das Risiko, dass wassergefährdende Stoffe wie Öl oder Benzin in den Boden gelangen und damit das Grundwasser verunreinigen.

Erdkabel geben Wärme ab

Doch auch nach Abschluss der Bauarbeiten bleiben Risiken bestehen. Nördlich des Grundwasserzustroms zu den Trinkwasserbrunnen soll die Kabeltrasse durch einen Tunnel führen. Für diesen ist eine sogenannte Bewetterung vorgesehen, denn die unterirdisch verlegten Hochspannungskabel geben im Betrieb Wärme ab, die durch eine Belüftung mittels Ventilatoren aus dem Tunnel abgeführt werden muss. Um diese Bewetterung zu sichern, plant die Amprion zusätzlich die Installation eines Notstromaggregats samt Tankanlage mit einem Fassungsvermögen von 9.500 Litern Heizöl.

Welche Auswirkungen die Wärmeabgabe der Erdkabel in offener Bauweise – wie sie für den größten Teil der Querung der Momm-Niederung vorgesehen ist – für das grundwasserökologische System in der Wasserschutzzone III hat, ist für die Stadtwerke Dinslaken noch nicht abschätzbar.

Alternative Trassenführung für Amprion möglich

Die Stadtwerke Dinslaken und die Wasserwerke Dinslaken sprechen sich aus den genannten Gründen für einen alternativen Trassenverlauf aus, der ebenfalls von der Amprion vorgelegt wurde, aber als deutlich kostenintensiver eingeschätzt wird. In diesem Plan zweigt die Trasse nach der Querung der Frankfurter Straße südöstlich ab, passiert Götterswickerhamm östlich und quert auf Höhe des Strandhauses Ahr den Rhein. Diese Strecke würde das Wasserschutzgebiet in der Wasserschutzzone IIIA minimal tangieren.

Die von Amprion favorisierte Trassenführung durch das Wasserschutzgebiet löst dagegen bei den Stadtwerken Dinslaken und den Wasserwerken Dinslaken größte Sorgen aus. Sie sehen den Trinkwasserschutz und damit die Wahrung der Qualität der Trinkwasserversorgung für ganz Dinslaken durch die Verlegung und den Betrieb der 380-kV-Erdkabelverbindung aus den oben dargelegten Gründen potenziell gefährdet.

Aus diesem Grund befinden sich die Wasserwerke Dinslaken aktuell in einem Rechtsschutzverfahren gegen das Land Nordrhein-Westfalen und die Amprion GmbH als Beigeladene, welches bereits zu einer teilweisen Einschränkung der vorzeitigen Baumaßnahmen geführt hat.

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